Tarifchecks 6 Min. Lesezeit

Basisrente (Rürup) für Ärzte: Lohnt sie sich wirklich?

Die Basisrente bietet Ärzten attraktive Steuervorteile. Wir zeigen ehrlich, für wen sie sich lohnt - und für wen nicht.

Veröffentlicht:

Die Basisrente — auch Rürup-Rente genannt — ist unter Ärzten und Zahnärzten ein häufig diskutiertes Produkt. Die einen schwören darauf als Steuersparmodell, die anderen halten sie für zu unflexibel. Beide haben jeweils gute Argumente.

In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie die Basisrente wirklich funktioniert, welche Vorteile sie konkret hat — und vor allem, für wen sie sich lohnt und für wen nicht.

Wie die Basisrente funktioniert

Die Basisrente ist ein privates Rentenprodukt, das speziell für Selbstständige und Freiberufler konzipiert wurde — und damit ideal für niedergelassene Ärzte und Zahnärzte.

Das Grundprinzip: Du zahlst Beiträge in eine private Rentenversicherung oder einen Fondssparplan ein. Diese Beiträge sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar — bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. Im Rentenalter bekommst Du eine monatliche Rente ausgezahlt, die dann vollständig steuerpflichtig ist.

Die steuerliche Absetzbarkeit 2026

Im Jahr 2026 sind Beiträge zur Basisrente bis zu 29.344 Euro (Einzelperson) als Sonderausgaben absetzbar. Für Verheiratete gilt der doppelte Betrag.

Vom Versorgungswerk gezahlte Pflichtbeiträge werden auf diesen Höchstbetrag angerechnet. Das bedeutet: Wenn Du bereits 15.000 Euro ins Versorgungswerk einzahlst, kannst Du noch bis zu ca. 14.344 Euro in eine Basisrente einzahlen und steuerlich geltend machen.

Die steuerliche Logik — konkret durchgerechnet

Angenommen, Du bist niedergelassener Arzt mit einem zu versteuernden Einkommen von 180.000 Euro. Dein Grenzsteuersatz liegt bei 45 % (Reichensteuersatz). Du zahlst 10.000 Euro in eine Basisrente ein.

Steuerersparnis im Einzahlungsjahr: 10.000 Euro x 45 % = 4.500 Euro

Du zahlst also effektiv nur 5.500 Euro aus eigener Tasche — der Rest kommt vom Finanzamt.

Im Rentenalter: Die Rente ist voll steuerpflichtig. Aber Dein Steuersatz wird im Rentenalter wahrscheinlich geringer sein — vielleicht 25-30 % statt 45 %. Der Steuerstundungseffekt und der günstigere Steuersatz im Rentenalter sind der eigentliche Vorteil.

Die Basisrente ist kein “Steuersparprodukt” im eigentlichen Sinne — sie ist ein Steuerstundungsprodukt mit günstigem Timing.

Für wen lohnt sich die Basisrente?

Ja, wenn…

  • Du ein hohes zu versteuerndes Einkommen hast (Grenzsteuersatz 42 % oder 45 %)
  • Du Pflichtbeiträge ins Versorgungswerk zahlst, aber noch Spielraum beim Sonderausgabenabzug hast
  • Du diszipliniert sparen kannst und das Geld langfristig nicht brauchst
  • Du auf der Suche nach einem sicheren, planbaren Rentenbaustein bist (nicht auf Börsenstimmung angewiesen)
  • Du als Angestellter Arzt kein Versorgungswerk hast und in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert bist

Nein, wenn…

  • Dein Einkommen und damit Dein Steuersatz mittel oder niedrig sind — dann ist der Steuervorteil gering
  • Du Flexibilität benötigst: Die Basisrente kann nicht ausgezahlt oder beliehen werden — das Kapital ist bis Rentenbeginn gebunden. Keine Ausnahmen.
  • Du bereits nahe an der Versorgungswerksgrenze liegst und wenig Spielraum für zusätzliche Sonderausgaben hast
  • Du lieber selbst investierst: Ein gut geführtes ETF-Depot kann langfristig mehr Rendite bringen — ohne Bindung

Versorgungswerk + Basisrente: Das Zusammenspiel

Viele Ärzte gehen davon aus, dass das Versorgungswerk den gesamten Sonderausgaben-Spielraum aufbraucht. Das stimmt so nicht. Die tatsächliche Anrechnung hängt vom jeweiligen Versorgungswerk und der Beitragshöhe ab.

Lass Dir von Deinem Steuerberater konkret ausrechnen, wie viel Spielraum Du noch hast. In vielen Fällen ist die Kombination aus Versorgungswerk und Basisrente steuerlich sehr attraktiv.

Produktqualität: Worauf Du achten musst

Nicht jede Basisrente ist gleich gut. Es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede:

Fondsbasisrenten investieren Deine Beiträge in Fonds — mit Renditechancen, aber auch Schwankungen. In Niedrigzinsphasen oft die bessere Alternative zu klassischen Rentenversicherungen.

Klassische Basisrenten bieten garantierte Renten, aber niedrige Renditen in der aktuellen Zinslage.

Worauf Du immer achten solltest:

  • Geringe laufende Kosten (Verwaltungskosten, Ausgabeaufschläge)
  • Flexibilität bei der Beitragszahlung (Beitragsfreistellung möglich?)
  • Qualität der Fondsauswahl (breite ETF-Auswahl?)
  • Rentengarantiezeit für Hinterbliebene

Alternativen zur Basisrente

Wenn die Basisrente nicht passt, gibt es gute Alternativen:

  • ETF-Depot: Mehr Flexibilität, potenziell höhere Rendite, kein Steuervorteil im Einzahlungsjahr
  • Betriebliche Altersvorsorge (bei GmbH-Struktur): Kann steuerlich noch attraktiver sein
  • Immobilien: Komplexer, aber oft renditestarker Baustein

Die beste Lösung ist in der Regel eine Kombination mehrerer Bausteine — abgestimmt auf Deine individuelle Situation.


Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.

← Zurück zum Ratgeber

Hast Du Fragen zu diesem Thema?

Im kostenlosen Erstgespräch nehme ich mir Zeit für Deine konkrete Situation — ohne Produktdruck, ohne Standardlösungen. Nur ehrliche Einschätzung.

Kostenloses Erstgespräch buchen

Kein Spam. Kein Verkaufsdruck. Einfach ein offenes Gespräch.